Thursday, July 5, 2012

Nicht ganz einfach

Letztes Jahr schon hatten wir der Familie versprochen, die zu klein gewordenen Oshkosh-Latzhosen des Kleinen Mannes nach Deutschland zu schicken. Gemacht hatten wir das bis jetzt nicht. Nicht nur, weil wir nie die Zeit dafür fanden, sondern auch, weil durch alte Kleidung gucken immer auch ein bisschen traurig ist.

Aber gestern hab ich mich für eine Stunde im Keller verkrochen und hab mich durch eine Reihe von Kisten gewühlt. Mit jedem Stück wurde das Herz schwerer und der Kloß im Hals größer. Wir wollten doch auch so gern noch ein zweites und drittes und vielleicht sogar viertes Kind. Aber nach vier Fehlgeburten und fünf beweinten und betrauerten nicht-geborenen Kindern, habe ich den Mut verloren. Noch mal schaffe ich diese Schmerzen und das Leid nicht, falls es wieder nicht klappen sollte. Also keine weiteren Kinder. Und das tut weh. Sehr sogar.

Im Moment sind beide Schwägerinnen schwanger. Schön für die beiden (vier). Aber jedes Mal, wenn wir über die Stichtage, Kinderwiegen oder Windeln sprechen möchte ich am Liebsten losheulen.

Da hilft es auch nicht, dass mir einmal jemand sagte: "Mit einem seit Ihr noch gar keine echte Familie. Sondern Ehepaar mit Kind. Eine Familie ist man erst ab zwei Kindern." Natürlich glaube ich das nicht. Auch wir drei sind eine, wenn auch arg kleine, Familie. Aber der Stachel bleibt und zwickt manchmal sehr.

Heute Nachmittag werde ich das Päckchen packen und mich freuen, dass die unverwüstbaren Hosen noch ein bisschen weiter leben werden. Dort halt, wo sie wirklich gebraucht werden. Und ich werde mich mit meinen Schwägerinnen und deren Familien freuen, wenn dort das zweite und da das dritte Kind geboren wird.

Und irgendwann einmal wird vielleicht das Thema Schwangerschaft und Fehlgeburten auch nicht mehr so weh tun. Immerhin kann ich bald aufhören mit dem Schicksal zu hadern. Ich bin jetzt 38 und da ist der Zug dann eh bald abgefahren. Danach wird es dann bestimmt einfacher. Oder? Oder?

2 comments:

Gartenliesel said...

Liebe Frau Ringelstrümpfe, ich kann Ihre Gedanken wirklich gut verstehen. Vor zehn Jahren, ich war gut 30, habe ich auch wie wahnsinnig gehofft, endlich Mutter zu werden. Nach einer Fehlgeburt hat es dann Gott sei Dank sofort wieder geklappt und heute bin ich Mutter eines (!) Jungen. In meinem Bekanntenkreis bin ich mit diesem "gewollten" einen Kind eher die Ausnahme - alle haben die obligatorischen 2 Kinder - gehört wohl irgendwie zum guten Ton dazu ;-). Häufig habe ich aber in der Zwischenzeit von eben diesen Müttern gehört, dass meine Familienplanung vielleicht auch einige Vorzüge hat. Vieles lässt sich mit einem Kind eben leichter regeln. Und falls Sie denken, als Einzelkind wäre man irgendwie traurig - lassen Sie sich von mir als eingefleischtem Einzelkind und von meinem Mann als eingefleischtes Einzelkind *grins* sagen: Wir hatten trotzdem eine richtig schöne Kindheit! Alles ist gut so, wie es ist, oder?
LG Gartenliesel

Wolfram said...

Den Jemand möchte ich zu Baldwin versetzen, da können sie bestimmt einen 30t-Fallhammer noch gut gebrauchen, oder? Baah, wie unsensibel!