Tuesday, March 13, 2012

Einsichten, schmerzhaft

Dass ich keine Elfe bin, sieht man ja auf den Bildern. Vielleicht eher ein Elefant. Aber die sind ja auch schön - irgendwie... Dass ich wie es hier so schön heisst "Body-Image" Probleme habe, hat sich wohl auch schon rumgesprochen. Mal kann ich mich schon finden. Oft kann ich es nicht. Daran würde aber auch keine kleinere Kleidergröße etwas ändern.
In den letzten Tagen habe ich mir alte Bilder angeguckt. Alte Bilder von mir. Ich mag das nicht, aber mein Therapeut fand es wäre eine gute Idee. Einiges ist mir aufgefallen: erstens, ich sehe auf allen Bildern traurig aus. Manchmal lacht mein Mund, meine Augen lachen nicht. Zweitens, ich trage meist schwarz. Oder ganz mutig grau. Und noch heute, wenn ich mich verletzlich fühle, trage ich schwarz. Es gibt mir eine Art Rüstung. Andere sehen dann nur das Schwarz und nicht mich. Sehr praktisch!
Und drittens, ich war damals um Einiges schlanker. Hmpf...

Aber warum eigentlich. Und hier kam sie dann, die Einsicht. Früher konnte ich vor meinen Ängsten und Gefühlen nicht weglaufen. Ich war ja mitten drin. Aber in den letzten Jahren ist das anders gewesen. Aber vor ein paar Jahren habe ich beschlossen, alles endlich hinter mir zu lassen. Ich änderte meinen Namen, meinen Musikgeschmack und liess eigentlich alles hinter mir, dass mich an damals erinnerte. Ich warf Tagebücher weg und riss Photos aus dem Album. Aber das Geschehene liess sich nicht so einfach ändern oder wegwerfen. Also packte ich es in viele nette kleine Kisten und verstaute alles in meinem inneren Keller. Manchmal braucht es ganz schön viel Kraft, alles in den Kisten zu halten. Denn Gedanken, Gefühle und Ängste wuseln manchmal raus, wie Gremlins oder Tribbles.

Meine Lösung all den aufkommenden Schmerz nicht zu fühlen, und da ist immer noch eine Menge Schmerz und Verzweiflung, ist zu essen. Am Liebsten Zucker. Der Schmerz lässt dann nach Wie eine Kopfschmerztablette, einfach schnell eingeworfen.

Aber das Vermeiden hat zwei Probleme: erstens, ich vermeide das Fühlen meiner Ängste und gebe ihnen damit mehr Kraft, als sie eh schon haben. Erinnerungen können mich nicht verletzen. Und je mehr ich wegrenne, desto mehr Kraft verbrauche ich fürs Wegrennen und habe dann nichts mehr übrig zum Heilen.

Die Therapie soll das nun ändern. Ansehen, Durchleben, nicht Vermeiden, nicht Runterschlucken. Vielleicht kann ich dadurch auch irgendwann mal meine überflüssigen Pfunde gehen lassen. Aber am Wichtigsten im Moment ist das Nicht-Davon-Laufen. Auch wenn's weh tut.

Ich weiss, es ist nicht möglich, aber wünschen und träumen darf man ja: und so wünsche ich mir einmal einen Tag, an dem ich aufwache und keine Gespenster der Vergangenheit mit mir habe. Ach, eigentlich wünsche ich mir, dass die Vergangenheit wenigstens für einen Tag nie passiert werde. Unmöglich, aber trotzdem ein Wunsch...

1 comment:

Gartenliesel said...

Liebe Frau Ringelstrümpfe, ich wünsche Ihnen wirklich von Herzen, dass Ihr Wunsch in Erfüllung geht... LG Gartenliesel, die schon sehr sehr sehr lange bei Ihnen mitliest und sich sehr wohl bei Ihnen fühlt.